Lesetipp: Storytelling als Ausbeutung der Poesie?

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Die Methode des Storytelling ist in der Welt von Marketing und Kommunikation schon längst angekommen. Das „Erzählen von Geschichten“ wird dort strategisch dazu eingesetzt, um Inhalte und Informationen verständlicher, unterhaltsamer und vor allen Dingen einprägsam zu übermitteln. Frei nach dem Motto „Geschichten sind die bessere Werbung“ packen Konzernchefs, Politiker und Werber ihre Botschaften in Erzählungen und bedienen sich dabei, oftmals ganz ohne es zu wissen, bei der Literatur – ist doch das Geschichtenerzählen eine, wenn nicht gar DIE literarische Form.

In einer Zeit, in der Aufmerksamkeit ein knappes und immer härter umkämpftes Gut ist, und in der nur noch Wenige sich mit dem Studium literarischer Werke aufhalten, ist also ausgerechnet die Literatur zur Sinnressource für Marketingstrategen und Werbetexter geworden. Eine Tatsache, die auch Kritiker auf den Plan ruft:
Für den Literaturwissenschaftler Michael Esders ist die globale Konjunktur des Storytellings nicht weniger als die „Enteignung der Posie“. In einem umfangreichen Essay hat er viele Beispiele dafür zusammengetragen, wie Werbung und Medienschaffende literarische Formen als Formatvorlagen nutzen. Er zeigt zudem auf, wie sich die Literatur gegen diese Ausbeutung ihrer Tradition und Besetzung ihres Terrains zur Wehr setzt.

Interessant ist das Buch nicht nur für Literaturwissenschaftler und Kulturpessimisten, sondern auch für Medien- und Kommunikationsprofis, die das Prinzip Ihrer Botschaften genauer beleuchten und bewusster einsetzen möchten.

Buchhinweis:
Michael Esders: Die enteignete Poesie. Wie Medien, Marketing und PR die Literatur ausbeuten. Aisthesis 2011.

Hinweis auf Radiosendung:
Radio SRF 2 Kultur / Sendung Reflexe vom 11. Juni 2013: „Zugespitzt und knackig – Werbung und Medien enteignen Literatur“ von Heinrich Vogler
http://www.srf.ch/sendungen/reflexe/zugespitzt-und-knackig-werbung-und-medien-enteignen-literatur  

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