Fasten oder digital entsagen?

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Fastenzeit: Warum nicht auch mal digital entsagen?

Am heutigen 5. März ist Aschermittwoch und damit Beginn der christlichen Fastenzeit, die insbesondere von Katholiken befolgt wird. Doch in zunehmendem Masse nehmen auch Menschen anderen Glaubens oder Nichtgläubige die Fastenzeit zum Anlass, Verzicht zu üben und bewusster zu leben.

 

Mit dem Ansatz, nicht nur weniger zu essen, sondern das Leben generell bewusster zu gestalten, erfreut sich das Konzept der katholischen Fastenzeit grosser Aktualität: So ist es mittlerweile schon fast zum Trend geworden, sich quasi im Selbstversuch eine digitale Fastenkur aufzuerlegen – will sagen, sich für eine gewisse Zeitperiode aus der permanenten Erreichbarkeit auszuklinken bzw. sich den Informationsfluten des World Wide Web zu entziehen.

 

Im Zusammenhang mit solch einer selbst verordneten Lebensentschleunigung durch die vorübergehende digitale Entsagung ist auch Hans Magnus Enzensbergers kürzlich veröffentlichtes Pamphlet „Wehrt Euch – Regeln für die digitale Welt“ durchaus lesenswert: Der deutsche Schriftsteller und Intellektuelle warnt darin vor den „Fallgruben der Digitalisierung“ und ruft, ganz Provokateur, in 10 Regeln zum „totalen Boykott“ der in alle Bereiche des Lebens eindringenden Vernetzung durch das Internet auf:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/enzensbergers-regeln-fuer-die-digitale-welt-wehrt-euch-12826195.html

 

Selbstverständlich kann es nicht die Lösung sein, das smarte Handy wegzuwerfen, kein e-Banking mehr zu nutzen und für Mitteilungen wieder zu Papier und Bleistift zu greifen, anstatt das E-Mail-Programm zu bemühen. Doch es argumentiert auch zu oberflächlich, wer die Äusserungen des nicht mehr ganz der Generation der digital natives angehörenden Dichters der Lächerlichkeit preisgibt; dass sich die Digitalisierung nicht rückgängig machen lässt bzw. dass die digitale Vernetzung der Gesellschaft durchaus auch sehr positive Auswirkungen hat, ist Hans Magnus Enzensberger mit Sicherheit mehr als klar. Und so lässt sich nicht wegrezensieren, dass die von Enzensberger wohl absichtlich überspitzt formulierten Thesen durchaus reale Problematiken der digitalisierten Welt thematisieren – auf jeden Fall aber, den breiten Reaktionen auf den Artikel nach zu urteilen, einen Nerv getroffen haben.

 

Warum also nicht die Fastenzeit als Gelegenheit nutzen, sich eine digitale Auszeit zu gönnen bzw. seinen persönlichen Umgang mit Smartphone und Konsorten zu reflektieren? Zum Internetaussteiger muss man deswegen ja nicht gleich mutieren – vielleicht reicht es ja schon, sich zu fragen, ob nun das Handy beim Nachtessen mit Freunden tatsächlich griffbereit auf dem Tisch liegen muss, oder ob man auch mal einen Sonntag verstreichen lassen kann, ohne seinen Facebook-Status zu aktualisieren.

 

Wir wünschen allseits eine bewusste Fastenzeit – möge das „Glück der Unerreichbarkeit“ Sie von Zeit zu Zeit erreichen.

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Bildquelle: www.nelcartoons.de

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