Um Vine muss man nicht wein’ …

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Vor etwas über zwei Wochen hat Twitter den Sturm im Wasserglas los getreten und Vine als neuen Weg zu Teilen von Videos an den Start geschickt. Doch allzu viel Neues bringt Vine nicht – dafür altbekannte Fehler.

Screenshot der Vine AppFür alle, die noch nicht mit Vine herum gespielt haben, hier erst einmal eine kurze Erklärung:

Vine ermöglicht die Aufnahme höchstens sechs Sekunden langer Videos mit dem iPhone. Die Kürzest-Filme werden als Endlosschleife – mit Legende und/oder Hashtag versehen – in das Netzwerk der App selbst hochgeladen und optional gleichzeitig in Twitter geteilt, wo die Videos direkt angezeigt werden.
 

Die Darstellung der Kürzest-Filme in der Timeline von Twitter – das Unternehmen hat Vine im letzten Oktober übernommen – ist der grösste Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Und davon gibt es nicht wenig: Eine Vielzahl von Video-Apps und Diensten (Viddy, Socialcam, Klip – um nur ein paar zu nennen) hat sich ebenfalls dem Ziel verschrieben, Video zum „neuen Foto“ zu machen. Und Facebook, wohin die Vine-Movies auch geteilt werden können, hat seinen iPhone-App in der Zwischenzeit ebenfalls mit einer Video-Funktion ausgerüstet.

Das Erstellen von Videos funktioniert einfach: Berührt man im Aufnahmemodus das Display, nimmt die Kamera auf – lässt man los, stoppt die Aufnahme. Ein Balken zeigt die verbleibende Restzeit an. So weit, so gut. (Auf die Tatsache, dass Vine unter Porno-Verdacht geraten ist, wollen wir an dieser Stelle nicht eingehen.)

Artikelbild Vine

Drei Kardinalfehler

Doch stellt sich genau dieses explizit Einfache beim Drehen der Filmchen als erstes Problem dar: Es gibt keinerlei nachträgliche Eingriffsmöglichkeit. Wer ein wenig Erfahrung mit dem Medium Video hat, weiss wie schwierig und aufwendig es ist, ganz ohne Editier-Funktion auszukommen. Es ist an sich schon eine Kunst, mit wenigen Einstellungen eine Geschichte zu erzählen – wenn ich das „freihändig“ und ohne Korrekturen machen muss, ist eine gehörige Portion Können und Planung damit verbunden. Natürlich werden besonders kreative Menschen besonders tolle Resultate erzielen; die grosse Mehrheit der Filmchen wird aber bestenfalls medioker sein. (Die Seite VinePeek zeigt übrigens neu erstellte Vines als Endlos-Stream.) Mindestens die Möglichkeit, einzelne Takes kopieren und zu tauschen wäre kein Luxus – zumal die Videos geloopt werden.

Wenn Twitter mit Vine das Instagram des Bewegtbildes werden will, muss es dem Nutzer ähnliche Möglichkeiten offerieren. Wenn schon keine Filter oder anderen Gimmicks, dann wenigstens die Möglichkeit bestehendes Videomaterial zu verwerten. Hier liegt meines Erachtens der zweite grosse Fehler im Funktionsprinzip von Vine. Nur das quadratische Format macht noch keinen Erfolg …

Original (via Youtube)

Variante „Super 8“

Der dritte grundsätzliche Fehler ist, dass Benutzer nur eine Chance haben, ihre Werke bei Twitter zu teilen. Man muss sich bei der Fertigstellung entscheiden, ob der Film in die Timeline gestellt werden soll. Alle Einsatzmöglichkeiten, privat wie geschäftlich, die nicht zu 100% spontan erfolgen, sind faktisch ausgeschlossen. Viel logischer wäre es doch gewesen, die fertigen Videos erst einmal bei Vine einzustellen und bei Bedarf an Twitter zu senden. Kurze Bedienungsanleitungen oder Produktpräsentationen von Service-Accounts – ein weites Feld, das Twitter zugunsten von Beiträgen in der Preisklasse von „Guck-mal-wie-lecker-mein-Sushi-Teller-aussieht“ aufgibt.

 

Haben Sie Vine schon ausprobiert? Wie hat Ihnen der Dienst gefallen? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar …

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